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Wie alles begann
Vom Turnerbund zum TSV Ludwigsburg
"100Jahre und immer noch Jung"
Unter diesem Motto begann der TSV Ludwigsburg im Jahr 2007
sein 100jähriges Bestehen. Doch bis zu diesem Jubiläum galt es viele Hürden zu überwinden.
Ein kurzer Rückblick in die geschichtlichen Anfänge zeigt das Auf und Ab des Vereins.
Blick zurück – Mitte 19. Jahrhunderts
Im Jahr 1848 wurden der Deutschen Bund und die angrenzenden Staaten von revolutionären Unruhen durcheinander
gewirbelt. Ursprung der bürgerlich-demokratischen und nationalen Erhebungen in ganz Mitteleuropa war die
Februarrevolution in Frankreich. Ausgelöst durch Missernten und den daraus resultierenden Hungersnöte schlossen
sich den Forderungen nach bürgerlichen Freiheiten und nationaler Einheit zahlreiche Bevölkerungsschichten an.
Im Deutschen Bund propagierten als erstes die Bewohner des Großherzogtums Baden die revolutionären Ziele.
Sie forderten eine liberale Regierung und die Wahl einer verfassungsgebenden Versammlung.
Viele der damals umstrittenen Forderungen bilden noch heute den Kern unseres demokratischen Verständnisses.
Die Revolution von 1848/ 49 prägte die politische Kultur Deutschlands langfristig und nachhaltig.
Erfolge wie die Pressefreiheit und der Siegeszug der bürgerlichen Demokratie waren unumkehrbar und
bestimmten die spätere politische und soziale Entwicklung bis hin zum Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.
Was hat diese Entwicklung mit der Vereinsgeschichte des TSV zu tun?
Im 19. Jahrhundert bildete sich eine Reihe scheinbar unpolitischer Organisationen, in denen liberale und
nationale Ideen gepflegt wurden. Ein Paradebeispiel dieser Strukturen war die Turnbewegung des „Turnvater Jahn“.
Diese Organisationen waren die Keimzelle der ersten Gesangs-, Musik- und Sportvereine (z. B. des MTV Ludwigsburg).
Sport zu treiben war dabei nicht unbedingt das vordringlichste Ziel der Vereine.
Sport bzw. die verschiedenen Sportarten leiteten sich aus dem Militär ab.
So galten Reiten, Fechten, Laufen, Werfen und Springen als die Hauptsportarten. In einer Biographie des
württembergischen Königs Wilhelm II. ist beispielsweise nur vom Reiten als Sportart die Rede.
Fußball galt generell als Proletariersport. Erst nach Beendigung des Deutsch - Französischen Krieges 1870/71
und der Gründung des Deutschen Reiches 1871 schlossen sich auch Arbeiter verstärkt zu Vereinen zusammen.
Die Vereinskultur wurde vielfältiger.
In Ludwigsburg trat diese Entwicklung zögerlich ein.
In der Residenzstadt gab es nur wenige typische Arbeiter. Hier hatten sich Adelige, Bürgern und Bauern niedergelassen.
Arbeiter waren trotz der Firmengründungen Franck später Franck & Kathreiner (heute Nestle), Walcker -
Orgelbau und Wagner & Keller- Drahtwaren unterrepräsentiert. Außerdem verlor das württembergische Königreich bis
1903 knapp zehn Prozent seiner Bevölkerung. Unterdrückung und eine ungewisse Zukunft ließen viele ihr Glück in Nord-
und Südamerika suchen.
In der Stadt selber wurde mit dem Geld des gewonnen Krieges – den Reparationszahlungen
aus Frankreich - viele Gebäude erstellt. Die Garnisonsstadt - das „Schwäbische Potsdam“ – erhielt in großen Teilen
seine heutige Struktur. Von der späteren Arsenalkaserne, dem heutigen Landesarchiv, bis zur Garnisonskirche prägten
und prägen die damals errichteten Gebäude das Stadtbild.
Auch in der Technik blieb die Zeit nicht stehen: 1876 wurde das Telefon,
1877 der Phonograph und 1879 die Glühlampe erfunden. Die erste elektrische Straßenbahn verkehrte in Berlin 1881,
die erste Dampfmaschine wurde 1883 und der erste Motorenwagen von Daimler und Benz 1885 erbaut.
Die industrielle Revolution ließ die Zahl der Arbeiter drastisch ansteigen.
Immer mehr Arbeiter schlossen sich in Vereinen und Organisationen zusammen. 1875 gründete sich der ADAV,
der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein. Gefördert durch soziale Unruhen, Streiks und politische Diskriminierungen
erlebten die Arbeitervereine eine Gründungswelle um die Jahrhundertwende. Auch die Vorläufer einiger Ludwigsburger
Sportvereine - SKV Eglosheim 1897, TV Neckarweihingen 1899 und ASV Oßweil 1902 - wurden um die Jahrhundertwende
als Arbeitersport – (Exoten) – Vereine gegründet. Ziel dieser Vereine waren nicht teure Investitionen wie
beispielsweise Pferde, sondern der Ausgleich zur körperlichen Arbeit und die Gewinnung von sozialem Ansehen.
Sportlicher Erfolg förderte den gesellschaftlichen Aufstieg (guter Läufer, Springer etc.).
Bei vielen bürgerlichen Sportvereinen stand im Kaiserreich die körperliche Ertüchtigung der Jugendlichen
als Vorbereitung auf das Militär im Vordergrund. Das Konzept der damalige Arbeitersportbewegung widersprach
einer solchen Auffassung des Jugendsports.
Die Geburtsstunde des TSV
Ecke Asperger- und Uhlandstraße in der Gaststätte Englischer Garten (später Bonbonniere) trafen sich ab dem Jahr
1897 regelmäßig Turner und Schwerathleten zu provisorischen Übungsabenden. Die Turner waren damit direkte Nachbarn
der örtlichen Kommunisten, die sich ebenfalls in diesem Lokal zu Hause fühlten. Die Nachbarschaft war einem weiteren
Wachsen nicht hinderlich. Nach zehn Jahren wurde am 19. Oktober 1907 auf einer Gründungsversammlung im Übungslokal
der Turnerbund Ludwigsbug aus der Taufe gehoben. Der Bund war Mitglied im Arbeiter Turnerbund und wählte
Karl Bartsch (bis 1913) zum ersten Vorsitzenden. Damals war nicht zu ahnen, dass daraus der heutige große
Mehrspartenverein TSV Ludwigsburg wird. Oberbürgermeister in Ludwigsburg war zu der Zeit Dr. Gustav Hartenstein.
Mit der Vereinsgründung drückte die Ludwigsburger Arbeiterschaft ihren starken Willen aus, sich nicht nur in
Parteien und Gewerkschaften zusammen zu schließen, sondern auch sportlich und kulturell eigene Wege zu bestreiten.
Erste Schritte
Das kontinuierliche Wachstum tröstete über die ersten Geburtswehen hinweg. Mit großen Mühen und Entbehrungen
wurden die Anfangsjahre gemeistert. Den Turnern und Schwerathleten schlossen sich Fuß- und Handballer an.
Im Jahr 1913 übernahm Siegfried Feuchter (bis 1919) die Vereinsführung. Ein Vereinsorchester sorgte für einen
guten Namen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Selbst die sechsmalige Verlegung der Turnstätte innerhalb von zwei
Jahren konnte die weitere positive Entwicklung nicht verhindern. Ein Zeichen des Wachstums war die -
für die damalige Zeit sensationelle - Gründung einer Turnerinnen Riege. Die „weiblichen Sportler“
machten dem Verein bei Bezirks-, Kreis- und Bundesveranstaltungen alle Ehre. Es war die Zeit in der auch die
"Gemeinschaft der Freunde", später GdF Wüstenrot, durch Georg Kropp gegründet wurde (1921).
Heute einer der großen örtlichen Arbeitgeber.
Die Vereinsführung in den frühen zwanziger Jahren war alles andere als kontinuierlich.
In rascher Folge wechselten die Vorsitzenden. Von Wilhelm Grübele übernahm 1923 Karl Bartsch bis 1924 den Vorsitz.
Ihm folgte bis 1926 Jacob Haug. Erst mit Karl Weippert, der die Führung bis 1933 inne hatte, kehrte etwas Ruhe ein.
In diese wechselvolle Zeit fielen zwei Höhepunkte der Vereinsgeschichte: 1924 die Fahnenweihe und als weitere Blüte
der jungen Geschichte des Turnerbundes die Bannerweihe der Turnerinnen.
Der Vorsitzende und Gemeinderat Karl Weippert organisierte die Teilnahme zahlreicher
Vereinsmitglieder am Reichsarbeiter-Sporttag 1929 – für viele ein unvergessliches Erlebnis. Unter der Führung von
Weippert entwickelte sich der Verein prächtig. Die Mitgliederzahl stieg kontinuierlich und der Ausbau des
Vereinsgeländes erfolgte, nachdem ein Grundstück in der Nähe des Favorite Bahnhofes erworben worden war.
Dass die politischen Unterschiede der verschiedenen Arbeiterparteien in der Weimarer
Republik sich auch auf ihre Sportvereine auswirkten, ist heute schwer nachzuvollziehen. Anfang 1930 entschieden
sich die Mitglieder des Turnerbundes mit nur einer Stimme Mehrheit für die Mitgliedschaft in der Rote Sporteinheit
und damit für die kommunistische Richtung. Bei dem knappen Ergebnis war die Trennung vorprogrammiert.
Die Rote Sporteinheit war nicht Mitglied im Arbeiter Turn- und Sportbund.
Der Verein verlor dementsprechend die Mitgliedschaft im Bund. Den bundestreuen – sozialistischen Mitgliedern
passte die neue Ausrichtung nicht. So spaltete sich der Verein in zwei Richtungen: die sozialistische (bundestreue)
und die kommunistische (Rote Sporteinheit). Allerdings erhielt der Verein der Roten Sporteinheit von 1930 bis 1933
durch den knappen Mehrheitsbeschluss das Gelände des Sportplatzes und damit auch das gemeinsam erstellte Vereinsheim
auf dem "Bergele" an der Seeschlossallee. Der Vereinsnamen Turnerbund blieb bestehen.
Mit dem Verbot aller Arbeitersportvereine 1933 verlor auch unser Turnerbund seinen gesamten
Besitz. Die NSDAP beschlagnahmte Vermögen, Turngeräte, Sportplatzanlage und Inventar. Das Gelände firmierte nun unter
dem Namen Luft- und Sonnenbad.
Die Geschehnisse während der kommenden zwölf Jahre erstickten jede weitere Tätigkeit.
Ein Vierteljahrhundert aufopferungsvolle Aufbauarbeit war umsonst. Ein Großteil der Vereinsaufzeichnungen wurden
in dieser Zeit ebenfalls vernichtet. In mühevoller Kleinarbeit musste in den späteren Jahren die Vereinsgeschichte
nachvollzogen werden.
Wiedergeburt
Zu unser aller Segen exsistierte das 1000-jährige Reich nur bis Mai 1945, bevor es seinen verhängnisvollen Geist
aufgab. Schon bald nach Kriegsende fanden sich ehemalige Mitglieder bürgerlicher Vereine wieder zusammen und
versuchten das Vereinsleben neu zu gestalten. Die ehemaligen Turnerbundmitglieder Weippert,
Megerle, Hofmann, Kuhnle, Heydenbluth und Spielmann hatten die Kriegszeit mehr oder weniger unverzehrt überstanden
und trafen bereits 1946 Vorbereitungen für eine Vereinsneugründung. Am 8. Februar 1947 leitete Karl Weippert
die Gründungsversammlung des Turn- und Sportverein Ludwigsburg e.V. bis zur Wahl des neuen Ersten Vorsitzenden
Max Müller. Auf Anhieb traten dem neugegründeten Verein, der in der Tradition des früheren Turnerbundes stand,
fünfzig Personen bei. Oberbürgermeister der Stadt Ludwigsburg war Dr. Elmar Doch.
Max Müller, bis 1958 Vorsitzender, setzte sich als erster neu gewählter Vereinsvorsitzender
sofort für Zurückführung des entwendeten Eigentums ein. Anstatt auf dem eigenen Vereinsgelände Sport zu treiben,
mussten die Abteilungen der Ballsportarten auf das Stadionvorfeld oder auf die "Planie" ausweichen.
Das konnte kein Dauerzustand bleiben! Die starken Mitgliederzuwächse in den ersten Monaten zeigten, welcher
Nachholbedarf nach der unseligen Kriegszeit bestand. Sich wieder zwanglos zu treffen, zusammen Sport zu treiben
und Kontakte neu aufzubauen – mit dieser Zielsetzung gingen viele wieder in die Vereine. Schon drei Monate nach
Neugründung zählte der „TuS“ 250 Mitglieder. Auch die Angebotspalette erweiterte sich: Zu Fußball und Turnen
kamen die Sportarten Ringen, Gewichtheben, Kunstakrobatik und Schwimmen mit Wasserball.
Erstes großes Highlight des wiedergegründeten Vereins war die vom Landessportverband
Württemberg übertragene Ausrichtung des Landestreffens der Schwerathleten am 17. Dezember 1949.
Wegen des schlechten Wetters wurde das Treffen vom Jahn - Stadion in die Exerzierhalle verlegt.
Max Müllers geduldigem Wirken verdankt der Verein die Zurückerstattung seines Eigentums!
Am 1. August 1950 erhielt der TSV das alte Vereinsgelände von der damaligen Militärregierung und dem Amt für
Vermögenskontrolle zurück.
1954 wurde der Verein um eine Sparte reicher: Die Hockey Gemeinschaft
"Blau - Gelb" trat dem TSV als Abteilung bei und sorgt seitdem für einen über die Landesgrenzen hinaus reichenden
Ruf des Vereins. Passend zum 50jährigen Vereinsjubiläum (13. Juli 1957) an der Seeschlossallee schenkte die
Hockeyabteilung dem damaligen Vorsitzenden Müller den Aufstieg in die Oberliga.
Die weiter wachsenden Mitgliederzahlen dokumentieren den Erfolg des Vorsitzenden Müller.
1957 bezahlen die 600 Vereinsmitglieder eine Mark im Monat (Erwachsene) bzw. 50 Pfennig (Jugendliche) pro Monat
Beitrag. 1958 stirbt Müller und Eduard Vogel übernahm bis 1971 das Vereinsschiff. Unter ihm stiegen die
Mitgliederzahlen auf über 900 an.
Herausragendes Thema der Vereinsführung von Vogel waren die beginnenden schier endlosen
Verhandlungen für eine neue Sportanlage. Bereits beim 60jährigen Jubiläum am 24.Juni 1967 brannten die Platz-
und Vereinsheimprobleme den Verantwortlichen unter den Nägeln. Zwar schuf Vogel durch sein sparsames Wirtschaften
den Grundstein für ein stattliches Vereinsvermögen, das den späteren Neubau des Vereinsheims an der Bönnigheimer
Straße erleichterte, doch konnte er die Verhandlungen nicht zum Ende bringen.
Als er sich 1971 altershalber vom Vereinsvorsitz zurückzog, gab er diese Aufgabe an seinen Nachfolger Heinz Schilling
weiter. Vogel, spontan zum Ehrenvorsitzenden des Vereins gewählt, hatte keine leichte Aufgabe hinterlassen.
An seinem 70. Geburtstag 1977 zählte der Verein 1.100 Mitglieder und das alles bestimmende Thema waren die
ständigen Platz- und Raumnöte der Abteilungen. Keine Hauptversammlung auf der dieses Thema nicht zu finden war.
Trainings- und Spielmöglichkeiten waren Mangelware. Heinz Schilling konnte nach Jahren zähen Verhandelns 1978
endlich verkünden, dass die Stadt den Bau eines Fußball-Tennenplatzes freigegeben hätte. Damit stand der Verein
am Ende der Amtszeit von Schilling 1979 vor großen neuen Herausforderungen.
Der Umzug
Am 6.April 1979 wurde Siegfried Fix zum neuen Vorsitzenden gewählt, mit der Zielsetzung,
den Bau des neuen Vereinsheimes voran zu treiben. Und es ging schnell! Bereits sechs Wochen nach der Wahl,
am 26. Mai 1979 , fand das Einweihungsspiel - TSV Vorstand gegen eine Mannschaft des Gemeinderates -
auf dem neuen Hartplatz statt. Am selben Tag setzte der Erste Bürgermeister Schäfer den ersten Spatenstich bzw.
Baggerbiss für das neue Vereinsheim. Bereits im November, nach nur fünf Monaten Bauzeit feierte der TSV Richtfest
und am 25. Juli 1980 – nach sensationeller vierzehnmonatigen Bauzeit – erfolgte der Festakt zur Einweihung unseres
neuen Vereinsheims.
Dass dieser Traum zur Wahrheit wurde, war ca. dreißig besonders aktiven Mitglieder zu
verdanken. Nicht zu beziffern bleibt der unermüdliche Einsatz von Siegfried Fix.
Über Monate verbrachten diese Unermüdlichen lange Tage auf der Baustelle und leisteten 10.000 freiwillige
Arbeitsstunden.
Das rasante Tempo behielt der Verein bei.
Schlag für Schlag ging es weiter. Der Bau des Hockeyfeldes, der für 1985 vorgesehen war,
begann bereits im Herbst 1980. Am 21. März 1981 weihte der TSV als erster Verein einen Platz dieser Art im Landkreis
Ludwigsburg ein. Für die Hockeyabteilung die beste Voraussetzung für weitere sportliche Entfaltung.
Ausbau des Angebotes
Das Jahr 1982 stand im Zeichen des 75jährigen Vereinsbestehens. Die Verantwortlichen hatten sich viel vorgenommen.
Für die Vereinsführung und die Abteilungsleiter hieß das, organisieren, absprechen und manche zusätzliche Stunde
opfern. Das Resultat: 36 hochkarätige Veranstaltungen von den Württembergischen Meisterschaften der Ringer in der
Rundsporthalle bis zu den Deutschen Hallenhockey Meisterschaften der A-Jugend. Eine Sportwoche und ein
überwältigender Jubi-Ball entschädigte für manch mühevolle Arbeit.
Der Bau des Vereinsheimes und der beiden Sportplätze ermöglichten endlich die
Ausweitung des sportlichen Angebotes des TSV. Die Leistungspalette des Vereins wuchs um die Freizeitabteilung mit
dem Angebot für Frauengymnastik und Wandern sowie um eine Tischtennis- und Karateabteilung. Die Einführung des
Wettbewerbes für das Sportabzeichen unter Leitung des Technischen Leiters Eberhard Goetz war äußerst erfolgreich.
Bereits im zweiten Jahr positionierte sich der TSV mit 116 Absolventen auf Platz 9 im Sportkreis.
Außerdem organisierte der Verein zwei mal erfolgreich Volkswandertage.
Sepp Barth betreute das in Au/Bregenzer Wald angepachtet Haus. 20 Betten in sieben Zimmern
standen nun für Ausflügler und Wanderer zur Verfügung.
Auf den Nachfolger von Siegfried Fix im Amt des Ersten Vorsitzenden, Günter Marx,
kamen bei seiner Wahl am 12. Oktober 1984 neue Aufgaben zu. Der langjähriger Hockeysportfreund und Mitarbeiter
von Fix und sein Stellvertreter, Leo Müller aus der Ringerabteilung, mussten die finanzielle Belastung des Vereins
in den Griff bekommen. Nach Baufehlern beim Vereinsheim stand eine Sanierung der Nasszellen der Fussball- und
Hockeyabteilung, der Kühlzelle des Pächters und der Kegelbahn an. Trotz Eigenleistung galt es 41.000 Mark zu stemmen.
Parallel dazu wurde dem Wunsch der Mitglieder Rechnung getragen, vom Tennisboom zu
profitieren. Die Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf beflügelten den Tennissport. Unter Federführung von
Eberhard Goetz begann im Oktober 1987 der Bau von zwei Allwetter-Plätzen durch die Firma Lang. Der damalige
Oberbürgermeister Hans-Jochen Henke weihte im Mai 1988 mit einem Spiel gegen Eberhard Schwarz die Anlage bei
strahlendem Sonnenschein und vollen Zuschauerrängen ein. Zusammen mit den Plätzen ließ der TSV die Vierfachgarage
zur Lagerung von Gerätschaften erstellen. Möglich war dieser finanzielle "Kraftakt" nur durch den Abschluss eines
langjährigen Abnahmevertrags mit der Haigerlocher Schlossbräu und einem Zuschuss der Stadt Ludwigsburg.
In diesen Jahren hatte die Hockeyabteilung als sportliches Aushängeschild des Vereins
eine deutliche Konkurrenz. Die Frauen - Fußballmannschaft spielte von 1991 bis 1993 in der Bundesliga.
Im Pokalviertelfinal, das 1992 im SKV-Stadion in Eglosheim ausgetragen wurde, besiegte die Mannschaft die Tennis
Borussia aus Berlin mit 3 zu 1.
Renovierungen
Zu Beginn der 90er Jahre standen Renovierungsarbeiten an. Der Belag des Hockeyfeldes mussten im Herbst 1992
erneuert werden. Siegfried Fix und Hockeyabteilungsleiter Rudi Veigel erinnerten die Gemeinderäte Eglosheims
unermüdlichen an diese Aufgabe und nahmen sie in die Verantwortung.
Bei den Vorstandswahlen am 23. April 1993 hatte der Verein 1.420 Mitglieder in acht
Abteilungen. Günter Marx stellte sich nach acht Jahren, in denen er zusammen mit seine Vorstandmitgliedern viel
bewegt hatte, nicht mehr zur Wahl. Eberhard Goetz der bisherige Stellvertreter und Techn.
Leiter wurde zum Nachfolger gewählt. Goetz präsentierte dem Verein eine vollkommen neue Führungsriege,
in der seit dem fast alle Abteilungen vertreten sind. Gleichzeitig wurde die neue Satzung beschlossen und in
einer Kampfabstimmung die Vereinsfarben blau/gelb festgelegt. Die Hauptversammlung ernannte Siegfried Fix und
Günter Marx zu Ehrenmitgliedern.
Das Jahr 1994 brachte eine weitere Neuerung - den Seniorennachmittag innerhalb der
Sportwoche. Einladungen erhalten alle Mitglieder über 58 Jahre. Ziel dieses Nachmittags ist es, den Gedankenaustausch
zu pflegen und über vergangene Zeiten zu reden. Zum ersten Seniorennachmittag lud der Verein zahlreiche Gäste ein.
Neben etlichen Stadträten nahm auch der Vorsitzende des Stadtverbandes für Sport und Gönner des TSV, Kurt Knecht,
teil. Manfred Riegert erhielt 1994 als erster den Ehrenbrief als Auszeichnung.
1996 zeigte das Vereinsheim deutliche „Altererscheinungen“.
Neben den Nasszellen, die saniert werden mussten, war das Flachdach undicht und die Schankanlage wurde vom
Wirtschaftskontrolldienst gesperrt. Die Kosten beliefen sich auf satte 32.000 Mark. Im Frühjahr 97 trafen weitere
Hiobsbotschaften bezüglich des Vereinsheims ein. Das Flachdach leckte erneut und der Schornsteinfeger legte die
Befeuerung der Warmwasserbereitung und der Heizung lahm, weil die Abgaswerte nicht der Norm entsprachen.
Die Versammlung schulterte am 25. April 1997 einstimmig die anstehenden Aufgaben. Sie beschloss die
Änderungsmaßnahmen und den dazugehörigen Finanzierungsplan. Das Restdarlehen wurde umgeschuldet,
um 450.000 Mark erhöht und mit der Kaiser Brauerei Geislingen ein neuer Partner gefunden.
Nur so waren die finanziellen Zusatzkosten bezahlbar. Die Eglosheimer Wohnbau erhielt mit den Firmen Link,
Lidle, Bauer, Krämer, Seifert und Loths den Gesamtauftrag. Bereits am 3. Juli 1997 feiert der TSV Richtfest
und im November desselben Jahres waren die Bauarbeiten beendet. Der Firma Seifert oblagen mit der Installierung
der Eingangsbeleuchtung am neuen Seiteneingang die letzten Arbeiten dieser Baumaßnahme. Zum Jahreswechsel 1998
waren die umfangreichen Modernisierungen und Umbauten abgeschlossen. Für das 90jährige Jubiläum unter dem Motto
"Kinder, Jugend, Mann und Frau - 90 Jahre TSV" stand damit der richtige Rahmen zur Verfügung.
Das Jahr 1998 brachte neben dem Jubiläum auch eine Spaltung.
Nach zahlreichen Vorgesprächen mit der Abteilungsleitung und dem Verband führten die Spannungen zwischen dem
Frauen- und dem Herrenfußball dazu, dass die Abteilung geteilt wurde. Folgerichtig gründete sich
am 14. September 1998 die Mädchen- und Frauenfußball-Abteilung.
Das „TSV-Echo“ erlebte im Jahr 1999 mit 5.000 Exemplaren seine Premiere als Vereinszeitung.
Der Spielbetrieb zeigte Ende der 90er Jahre auf dem Rasen deutliche Spuren.
Aus finanziellen Gründen lehnte allerdings die Stadt mittelfristig die zusätzlich Erstellung eines Rasenplatzes ab.
Der Verein entschied daher, den Tennenplatz in ein Kunstrasenspielfeld umzubauen.
Wieder begann die Aktivierung der Gemeinderäte aller Parteien, um in der bestehenden städtischen "Rangliste"
der Sportbaumaßnahmen weiter nach vorne zu rutschen. Dieser Vorgang benötigte naturgemäß etwas Zeit.
Erst im Jahr 2001 wurde die Baumaßnahme umgesetzt.
Am 2. Weihnachtsfeiertag 2000 brach der Sturm „Lothar“ auch über den TSV herein.
Die Schäden am Flachdach der Umkleidekabinen beliefen sich auf 200.000 Mark. Den Auftrag vergab der Verein an die
Firma Holzbau Link. Doch die Frage, wie diese Maßnahme finanziert werden sollte, konnte nicht ganz so schnell
geklärt werden. Viele Gespräche und zeitaufwändige Verhandlungen waren gefragt, bis die Finanzierung stand.
Das Ergebnis: Der Verein stemmte die Maßnahme mit der Versicherungssumme, den Zuschüssen der Stadt und des WLSB,
mit dem Einsatz geringer Eigenmitteln aber vor allem mit der Eigenleistung der Vereinsmitglieder.
Die Mitglieder der Abteilungen Frauen-/Herrenfußball, Hockey und Ringen begannen im Sommer 2000 mit ihren
Arbeitseinsätzen und bereits am 15. November feierte der TSV Einweihung. Parallel dazu erneuerte und erweiterte
der Verein – finanziert mit Zuschüssen der Stadt und der WLSB - die Warmwasserbereitung und die Heizung im
Vereinsheim. Endgültig abgeschlossen wurden die gesamten Arbeiten aber erst im März 2001 -
nach der Fertigstellung der in Eigenregie hergerichteten Außenbereiche. Klaus-Peter Schemmel als Technischer
Leiter legte dabei seine "Meisterprüfung" für den TSV ab und koordinierte die mehr als 800 freiwillig
abgeleisteten Stunden. Unermüdlich im Einsatz waren während der monatelangen Bauarbeiten besonders die
Mitglieder Karsten Seifert, Klaus Dahlbeck und Erich Schieber.
Im Herbst 2000 entschied sich der Gemeinderat für den Neubau eines granulatverfüllten
Kunstrasenplatzes für den TSV und den KSV Hoheneck. Das Warten hatte sich gelohnt! Der Baubeginn am 7. Mai 2001
brachte auch für die Herren-Fußballabteilung Arbeit mit sich. Die Herren verlegten die Spielfeldumrandung selbst.
Die Baufortschritte waren augenscheinlich und die Abteilungen begannen, die Einweihung für September zu planen,
als die große Politik einen Strich durch die Rechnung machte. Der schreckliche Anschlag auf das World Trade Center
in New York verhinderte große Feierlichkeiten. Aufgeschoben war nicht aufgehoben! Die Einweihung fand schließlich
im Beisein von Bürgermeister Wurster und Sportamtsleiter Fröhlich am 20.Juli 2002 bei strahlendem Sonnenschein statt.
Sehr zur Freude aller Gäste feierte im Februar des gleichen Jahres der Pächter der
Vereinsgaststätte, Kurt König, sein 25jähriges-Jubiläum beim TSV. Einen Tag lang galten wieder die Preise aus dem
Jahr 1977.
Rudi Veigel, Hockeyabteilungsleiter und Förderer wird im ebenfalls im Februar 2002 mit
dem Ehrenpreis der Stadt Ludwigsburg ausgezeichnet. Er setzt die Tradition von Günter Marx, Mathilde Weissert
und Eberhard Goetz fort und ist bereits der vierte Preisträger aus dem Verein. 2003, ein Jahr später, erhält der
TSV den Karl-Mommer-Preis für seine Verdienste zur Integration von Aus- und Übersiedlern.
Weitere Entwicklung - Splitter
Dank einer hervorragenden Organisationen richten die Abteilungen Ringen und Hockey die Verbandstage ihrer
Fachverbände 2002 vorzüglich aus.
Mit Hilfe einer anonymen Erbschaft konnte im Jahr 2004 der Ausbau und die Erneuerung
des Kinderspielplatzes hinter dem Vereinsheim in Angriff genommen werden. Wieder konnte der Verein auf die
tatkräftige Unterstützung der Eltern im heißen Sommer 2004 bei den Bauarbeiten zählen.
Der Deutsch Turnerbund verlieh dem TSV erstmals den Pluspunkt Gesundheit und zeichnete
damit die erfolgreiche Arbeit von Gabi Seyfang in der Freizeitabteilung aus.
Eberhard Goetz erhielt beim Sportkreistag in Asperg die Goldenen Ehrennadel der WLSB
und wurde gleichzeitig als Vereinsvertreter in dessen Vorstand gewählt.
Mit Silke Arnolt holte im Januar 2004 eine Karatekämpferin des TSV erstmals einen
Weltmeister Titel und belegte bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres 2004 der Stadt Ludwigsburg den 3. Platz.
Die Hockeyabteilung renovierte ihre Umkleideräume in Eigenleistung,
wobei auch Rudi Veigel tatkräftig mithalf.
Kurt Jannetti wurde vom Stadtverband für Sport für besondere Dienste bei der Sportlerehrung
ausgezeichnet.
Der TSV gestaltete zum Jahresende 2005 den Eingangsbereich des Vereinsgeländes neu und
installierte, zur Vermeidung von Schäden auf den Kunstrasen – Plätze, abschließbare Tore.
Die Kooperation mit dem Nachbarverein SKV bei der Vereinszeitschrift wurde 2005 beendet.
Letzmalig erschien das gemeinsame Heft 2005 letztmalig - zum Bedauern vieler Eglosheimer.
2005 waren die Schäden am Hockeyfeld mal wieder augenfällig.
Das Feld war eindeutig abgespielt und ein weitere Nutzung konnte zu Unfällen führen.
Der Gemeinderat beschloss eine Erneuerung im Frühjahr 2006. Zum Einweihungsspiel empfing eine Ludwigsburger
Stadtauswahl mit HC / TSV Spielern den Deutschen Meister HTC Stuttgarter Kickers. Das Spiel endete erwartungsgemäß
mit einem 8:1 Sieg für den Gast.
Die Freizeitabteilung unter ihrer Übungsleiterin Gabi Seyfang verbuchte im Mai 2006
eine erneute Auszeichnung. Der DTB verlieh der Abteilung das Gütesiegel für qualifizierten Gesundheitssport.
Außergewöhnlichen Besuch verzeichnete der TSV am 1. April 2007.
Die Fußballfrauen empfingen die weibliche ägyptische Fußball-Nationalmannschaft bei einem Gegenbesuch in Ludwigsburg.
Das obligatorische Spiel bei sommerlichen Temperaturen endete auf dem Vereinsgelände an der Bönnigheimer Straße
mit einem 3:1 Sieg der Gäste. Über 500 Zuschauer feuerten die Aktiven an.
Und dann ist da noch die Erfüllung eines lang gehegten Wunsches:
Eine sportgerechte Halle in Eglosheim. 2006 erfolgte der Spatenstich für die Sanierung der bestehenden
Mehrzweckhalle und den Bau einer anschließenden neuen Sporthalle. Für 5,54 Millionen Euro entsteht in
Eglosheim nach den Plänen des Architekturbüros Knecht eine Doppelhalle, die den Vorstellungen der beiden
späteren Nutzer SKV und TSV voll entspricht. Wenn alles gut läuft werden die beiden Vereine zusammen mit
den Schulen die Hallen ab Januar 2008 nutzen können.
Zum Schluss bedanken wir uns bei allen Mitgliedern, die uns mit Informationen und
Bildmaterial unterstützt und zum Gelingen dieser Chronik beigetragen haben.
Unser besonderer Dank aber gilt dem Träger der Bürgermedaille der Stadt Ludwigsburg Herrn Dr. Albert Sting, der es sich nicht nehmen ließ, in vielen Stunden seiner begrenzten Zeit, uns mit Informationen zu unterstützen.
Eberhard Goetz
Stand: 15.06.2010
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